Antrag zum 55. Bundeskongress

Antrag 706

55. Bundeskongress vom 7. bis 8. Oktober 2017 in Jena

Antragsteller: Mecklenburg-Vorpommern


Status: [  ] angenommen [  ] nicht angenommen [  ] verwiesen an: ___________________________

Der 55. Bundeskongress möge beschließen:

1Nicht kleckern - klotzen! Für Wachstum brauchen wir Mut!

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5Die deutsche Wirtschaft kann schon lange nicht mehr mit dem digitalen Fortschritt in den

6Vereinigten Staaten Schritt halten. 50.000 Deutsche arbeiten und gründen mittlerweile im Silicon
7Valley, weil u. a. dort jährlich rund 33 Milliarden Dollar Wagniskapital investiert werden, obwohl 9
8von 10 Start-Up-Ideen scheitern. In Deutschland sind es nur rund eine Milliarde Dollar. Aber
9Deutschland hinkt nicht nur im Bereich der finanziellen Förderung hinterher. Mit den aktuellen
10wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ist Deutschland auf Dauer in der Welt nicht
11konkurrenzfähig. Bei Gründungen, gerade bei der Umsetzung innovativer Ideen, benötigen die
12Visionäre schnelle (finanzielle) Unterstützung, qualifizierte Mitarbeiter, beste
13Standortbedingungen und flexible Entwicklungsmöglichkeiten.

14Deutschland hat eine wachsende StartUp-Szene, die es zu fördern gilt.

15Die Gründerszene in Deutschland wächst stetig, aber nicht so stark wie es möglich und

16wünschenswert wäre. Das liegt u.a. an den zu langsamen Internetverbindungen in unserem
17Land, deren Breitbandausbau am Ende der Durchführung schon wieder viel zu langsam sein
18wird. Deshalb fordern die Jungen Liberalen weiterhin den flächendeckenden Ausbau der Down-
19und Uploadgeschwindigkeiten, um standorttechnisch mit den Ballungszentren weltweit mithalten
20zu können.

21Essentiell für ein gesundes Wachstum von Unternehmen und einer offenen Gesellschaft ist der

22Austausch von interdisziplinären Sichtweisen und die Mitarbeit von qualifizierten Spezialisten.
23Daher fordern wir den Erhalt der Bandbreite der angebotenen Studiengänge an deutschen
24(Hoch-)Schulen, um jeder Art einer Geschäftsidee in verschiedenen Nischen die Möglichkeit zur
25Ausgründung zu geben.

26Unabdingbar für einen gesunden "GründungsMUT" ist die Aufklärung von Schülern,

27Auszubildenden und Studierenden über die möglichen Zukunftswege. Oftmals scheitert eine Idee
28schon an zu viel Angst vor dem betriebswirtschaftlichen Teil einer Unternehmensführung oder
29aus Angst vor dem finanziellen Aufwand. Folglich fordern wir Unterricht mit
30betriebswirtschaftlichen Inhalten an Schulen und ein Angebot an Hochschulen und Universitäten,
31der Studierende auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet. Die öffentlichen Gelder sollen
32weniger für Wettbewerbe als für Bildungs-, Beratungs- und Begleitangebote für Interessierte
33bereitgestellt werden. Fachhochschulen und Universitäten müssen einen engeren Austausch der
34Studierenden ermöglichen, um den verschiedenen Disziplinen und Erfahrungen den Raum zu
35geben, sich gegenseitig zu inspirieren und weiterzuentwickeln.

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40Zu vielen Starts gehört auch der Fall. In Deutschland herrscht eine Kultur der Fehlerverachtung,

41obwohl die Mutigen und Innovativen diese Nation immer vorangetragen haben. Somit dürfen
42Mutige nach einem gescheiterten wirtschaftlichen Wagnis nicht verachtet werden. Wir brauchen
43eine höhere Akzeptanz der Gesellschaft für das wirtschaftliche Scheitern.

44In Deutschland brauchen Gründer für eine Firmengründung neun Behördengänge, die rund 15

45Tage dauern. In anderen Ländern, wie zum Beispiel Kanada, ist nur eine Online-Anmeldung
46notwendig. Auch hier herrscht definitiv Handlungsbedarf, um Deutschland wieder
47konkurrenzfähig zu machen und Gründern den Einstig zu erleichtern, in dem unnötiger
48Bürokratieaufwand abgebaut wird. Ein weiteres Bürokratiemonster für jeden StartUpler ist die
49Mindestlohndokumentationspflichtenverordnung, weswegen diese zumindest in den ersten fünf
50Jahren nach einer Ausgründung ausgesetzt werden soll. Außerdem fordern die Jungen Liberalen
51die Abschaffung der Umsatzsteuervoranmeldung für Jungunternehmer. Ebenso muss die
52Voreiligkeit der Sozialversicherungsbeiträge für die ersten vier Jahre nach der
53Unternehmensgründung freigestellt werden.

54Die Zusammenführung von Kapital, Know-How und Geschäftsideen ist ein wichtiger Baustein für

55eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung. Allerdings findet in Deutschland verhältnismäßig
56wenig Vernetzung von bestehenden erfolgreichen Firmen und frischen Gründern statt und auch
57die private finanzielle Förderung durch Venture Capital ist noch ausbaufähig. Deswegen fordern
58wir die englische Variante: Kapitalgeber sollen eine Vergünstigung auf die Einkommenssteuer
59erhalten von 30 Prozent ihrer Investitionen. Und Sekundär-Investoren muss der Verlustübertrag
60bei der Beteiligung ermöglicht werden. Auch Geschäftsführer, die min 10% der
61Unternehmensanteile halten, müssen von Sozialversicherungsbeiträgen befreit werden, nicht wie
62bisher bei einer Stimmenmehrheit. Gleiches gilt für Teamgründungen.

63Momentan müssen Unternehmer für Risikokredite 150% Eigenkapitalquote der aufgenommenen

64Summe nach Wertberichtigung halten. Deswegen müssen die Banken für junge Unternehmer
65dereguliert werden, um geringere Eigenkapitalforderungen stellen zu können.

66Die deutsche Politik muss bessere Rahmenbedingungen stellen, um der risikoaversen Mentalität

67der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft entgegenzuwirken. Deutschland hat das Potential
68vorne im Fortschritt mitzuwirken, deswegen müssen Gründer mehr unterstützt werden,
69Kapitalgebern muss die Kapitalvergabe vereinfacht werden und auch schon Schüler müssen
70durch betriebswirtschaftliche Bildung und digitalorientierten Unterricht auf die Möglichkeit der
71Selbstständigkeit vorbereitet werden. 

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Achtung: Die Darstellung des gezeigten Antrags erfolgt als reine Vorschau. Verbindlich ist der Antragstext im offiziellen Antragsbuch zum 55. Bundeskongress vom 7. bis 8. Oktober 2017 in Jena.