Antragsliste

« Zurück zur Antragsübersicht

Antrag zum 59. Bundeskongress vom 11. bis 13. Oktober in Oldenburg

» Antragsvorschau HTML » Antragsvorschau PDF » Änderungsantrag einreichen

Eingegangen am Donnerstag, 19. September 2019 um 21:46 Uhr, in der Kategorie "Gesundheit und Soziales" und mit der laufenden Nummer 301. Antragsteller ist/sind "Jessica Bremes, Claudio Weber, Fabian Schefczik.

Der 59. Bundeskongress möge beschließen:

Jung,liberal und depressiv

Der Anteil der Jugendlichen mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung stieg in den letzten Jahre immer weiter an, insbesondere auch der Anteil an Jugendlichen mit Depressionen. Besonders für Jugendliche ist es meist schwierig sich gegenüber Eltern, Freunden oder anderen nahestehenden Personen zu öffnen. Doch selbst wenn sie dies getan haben, ist es nicht leicht professionelle Hilfe zu bekommen. Der Grund ist unter anderem die Klassifikation von Depressionen durch das internationale Klassifikationssystem ICD-10 (International Classification of Diseases), welches eher behäbig auf akute depressive Phasen von Jugendlichen reagiert. Da Jugendliche oftmals deutlich impulsiver sind als erwachsene Menschen, muss auch eine Therapie schnellstmöglich beginnen, sobald eine akute Krankheitsphase auftritt. 

Aufgrund des vorherrschenden Mangels an Psychotherapeuten ist es aktuell jedoch sehr schwer zeitnah einen Therapieplatz zu erhalten. Eine schnelle Hilfe kann daher meist nur geleistet werden, wenn vorab bereits suizidale Tendenzen zu erkennen sind. Fehlt eine Erkenntnis über solche Tendenzen, sind Wartezeiten auf einen Therapieplatz von bis zu sechs Monaten nicht unüblich. Dieser Wartezeit voraus geht meist ein Erstgespräch zwischen Therapeut und Patient, durch welches die Patienten oftmals stark emotional aufgewühlt werden. Folgt die eigentliche Therapie erst einige Zeit später, können sowohl die emotionale Belastung des Erstgesprächs als auch weitere Geschehnisse in der Zwischenzeit für eine Verschlimmerung der psychischen Gesundheit des Patienten sorgen. Diesen Umstand erachten wir für nicht zumutbar.

Deshalb fordern wir, dass

  1. Psychotherapeuten und Jugendpsychologen dazu verpflichtet werden, vor Beginn des Erstgesprächs Auskunft über die Wartezeiten zu geben. Option: Ein Erstgespräch muss von Seiten des Behandelnden immer mit einer Zusage zur Behandlung einhergehen. Diese Zusage kann von Seiten des Patienten jederzeit abgelehnt werden.

  1. Alternative 1: Deutschland auf eine Anpassung der ICD-10 im Falle von Depressionen bei Jugendlichen auf internationaler Ebene hinwirkt.

Alternative 2: die Auslegung der ICD-10 für Jugendliche (in Deutschland) geändert wird.

  1. im Biologieunterricht in der 9. Klasse verpflichtend 3 Wochenstunden (à 45 min.) über psychische Erkrankungen, eine davon explizit über Depressionen und eine über Hilfsmöglichkeiten, gesprochen wird. Die Wochenstunden sollen dafür bei Sexualkunde gekürzt werden.

  2. Schulsozialarbeit stärker in den Fokus gerückt wird, um Ansprechpartner sowohl für Schülerinnen und Schüler mit psychischen Problemen als auch für Lehrerinnen und Lehrer, welche Anzeichen bei Ihren Schülerinnen und Schülern feststellen, bereitzustellen. Insbesondere muss das Gespräch zwischen Schulsozialarbeitern und Jugendlichen vertraulich und geschützt ablaufen, sodass keine direkten Auswirkungen auf den Schulalltag zu spüren sind (nicht während der Unterrichtszeit, kein Informationsfluss an das Kollegium).

  3. die Beiträge zur Ausbildung bei einem (zertifizierten) Psychotherapeuten bei erfolgreichem Absolvieren übergangsweise vom Bundesministerium für Gesundheit (BfG) übernommen werden, sofern sich die angehenden Psychotherapeuten dazu verpflichten, in ihrer späteren Laufbahn selbst 3 Psychotherapeuten beitragsfrei auszubilden. Die Übernahme der Ausbildungsbeiträge soll vom ausbildenden Therapeuten direkt beim BfG beantragt werden. Sollte die Ausbildung nach einer Probezeit von sechs Monaten abgebrochen oder endgültig nicht bestanden werden, muss der Auszubildende die entstandenen Kosten zu 50% an das BfG zurückzahlen.

  4. Den Mangel an Psychotherapeuten auszugleichen ist eine der Kernaufgaben der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Da diese ihrer Aufgabe in den vergangenen Jahren nicht gerecht worden ist, soll geprüft werden, ob sie (a) ein Verschulden an dem vorherrschenden Mangel tragen und (b) sich eventuell ganz aus dem Bereich der Psychotherapie zurückziehen sollen.

 

Begründung: 

Erläuterung des ICD-Systems: Nach dem System der ICD-10 liegt eine leicht depressive Episode vor, wenn mindestens zwei der Hauptsymptome (z.B. Freudlosigkeit, Antriebsmangel) und zwei Zusatzsymptome wie z.B Schuldgefühle und Schlafstörungen auftreten. Bei einer mittelgradigen depressiven Phase liegen zwei Haupt- und mindestens drei, höchstens aber vier weitere Symptome vor. Schwere depressive Episoden werde erst diagnostiziert, wenn alle drei Hauptsymptome vorhanden sind. Außerdem müssen die Beschwerden mindestens über zwei Wochen anhalten.

» Antragsvorschau HTML » Antragsvorschau PDF » Änderungsantrag einreichen

Achtung: Die Darstellung des gezeigten Antrags erfolgt ohne Zeilennummerierung und als reine Vorschau. Verbindlich ist der Antragstext im offiziellen Antragsbuch zum 59. Bundeskongress vom 11. bis 13. Oktober in Oldenburg.


« Zurück zur Antragsübersicht

Vorliegende Änderungsanträge:

  • Zu diesem Antrag liegen keine Änderungsanträge vor.
« Zurück zur Antragsübersicht