Antrag zum 59. Bundeskongress

Antrag 301

59. Bundeskongress vom 11. bis 13. Oktober in Oldenburg

Antragsteller: Jessica Bremes, Claudio Weber, Fabian Schefczik


Status: [  ] angenommen [  ] nicht angenommen [  ] verwiesen an: ___________________________

Der 59. Bundeskongress möge beschließen:

1Jung,liberal und depressiv

2Der Anteil der Jugendlichen mit einer diagnostizierten psychischen Erkrankung stieg in den

3letzten Jahre immer weiter an, insbesondere auch der Anteil an Jugendlichen mit Depressionen.
4Besonders für Jugendliche ist es meist schwierig sich gegenüber Eltern, Freunden oder anderen
5nahestehenden Personen zu öffnen. Doch selbst wenn sie dies getan haben, ist es nicht leicht
6professionelle Hilfe zu bekommen. Der Grund ist unter anderem die Klassifikation von
7Depressionen durch das internationale Klassifikationssystem ICD-10 (International Classification
8of Diseases), welches eher behäbig auf akute depressive Phasen von Jugendlichen reagiert. Da
9Jugendliche oftmals deutlich impulsiver sind als erwachsene Menschen, muss auch eine
10Therapie schnellstmöglich beginnen, sobald eine akute Krankheitsphase auftritt. 

11Aufgrund des vorherrschenden Mangels an Psychotherapeuten ist es aktuell jedoch sehr schwer

12zeitnah einen Therapieplatz zu erhalten. Eine schnelle Hilfe kann daher meist nur geleistet
13werden, wenn vorab bereits suizidale Tendenzen zu erkennen sind. Fehlt eine Erkenntnis über
14solche Tendenzen, sind Wartezeiten auf einen Therapieplatz von bis zu sechs Monaten nicht
15unüblich. Dieser Wartezeit voraus geht meist ein Erstgespräch zwischen Therapeut und Patient,
16durch welches die Patienten oftmals stark emotional aufgewühlt werden. Folgt die eigentliche
17Therapie erst einige Zeit später, können sowohl die emotionale Belastung des Erstgesprächs als
18auch weitere Geschehnisse in der Zwischenzeit für eine Verschlimmerung der psychischen
19Gesundheit des Patienten sorgen. Diesen Umstand erachten wir für nicht zumutbar.

20Deshalb fordern wir, dass

  1. 1.
    21 

    22Psychotherapeuten und Jugendpsychologen dazu verpflichtet werden, vor Beginn des

    23Erstgesprächs Auskunft über die Wartezeiten zu geben. Option: Ein Erstgespräch muss
    24von Seiten des Behandelnden immer mit einer Zusage zur Behandlung einhergehen.
    25Diese Zusage kann von Seiten des Patienten jederzeit abgelehnt werden.

  1. 1.
    26 

    27Alternative 1: Deutschland auf eine Anpassung der ICD-10 im Falle von Depressionen bei

    28Jugendlichen auf internationaler Ebene hinwirkt.

29Alternative 2: die Auslegung der ICD-10 für Jugendliche (in Deutschland) geändert wird.

  1. 1.
    30 

    31im Biologieunterricht in der 9. Klasse verpflichtend 3 Wochenstunden (à 45 min.) über

    32psychische Erkrankungen, eine davon explizit über Depressionen und eine über
    33Hilfsmöglichkeiten, gesprochen wird. Die Wochenstunden sollen dafür bei Sexualkunde
    34gekürzt werden.

  2. 2.
    35 

    36Schulsozialarbeit stärker in den Fokus gerückt wird, um Ansprechpartner sowohl für

    37Schülerinnen und Schüler mit psychischen Problemen als auch für Lehrerinnen und
    38Lehrer, welche Anzeichen bei Ihren Schülerinnen und Schülern feststellen,
    39bereitzustellen. Insbesondere muss das Gespräch zwischen Schulsozialarbeitern und
    40Jugendlichen vertraulich und geschützt ablaufen, sodass keine direkten Auswirkungen
    41auf den Schulalltag zu spüren sind (nicht während der Unterrichtszeit, kein
    42Informationsfluss an das Kollegium).

  3. 3.
    43 

    44die Beiträge zur Ausbildung bei einem (zertifizierten) Psychotherapeuten bei

    45erfolgreichem Absolvieren übergangsweise vom Bundesministerium für Gesundheit (BfG)
    46übernommen werden, sofern sich die angehenden Psychotherapeuten dazu verpflichten,
    47in ihrer späteren Laufbahn selbst 3 Psychotherapeuten beitragsfrei auszubilden. Die
    48Übernahme der Ausbildungsbeiträge soll vom ausbildenden Therapeuten direkt beim BfG
    49beantragt werden. Sollte die Ausbildung nach einer Probezeit von sechs Monaten
    50abgebrochen oder endgültig nicht bestanden werden, muss der Auszubildende die
    51entstandenen Kosten zu 50% an das BfG zurückzahlen.

  4. 4.
    52 

    53Den Mangel an Psychotherapeuten auszugleichen ist eine der Kernaufgaben der

    54Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Da diese ihrer Aufgabe in den vergangenen
    55Jahren nicht gerecht worden ist, soll geprüft werden, ob sie (a) ein Verschulden an dem
    56vorherrschenden Mangel tragen und (b) sich eventuell ganz aus dem Bereich der
    57Psychotherapie zurückziehen sollen.

58 

59Begründung: 

60Erläuterung des ICD-Systems: Nach dem System der ICD-10 liegt eine leicht depressive Episode

61vor, wenn mindestens zwei der Hauptsymptome (z.B. Freudlosigkeit, Antriebsmangel) und zwei
62Zusatzsymptome wie z.B Schuldgefühle und Schlafstörungen auftreten. Bei einer mittelgradigen
63depressiven Phase liegen zwei Haupt- und mindestens drei, höchstens aber vier weitere
64Symptome vor. Schwere depressive Episoden werde erst diagnostiziert, wenn alle drei
65Hauptsymptome vorhanden sind. Außerdem müssen die Beschwerden mindestens über zwei
66Wochen anhalten.


Achtung: Die Darstellung des gezeigten Antrags erfolgt als reine Vorschau. Verbindlich ist der Antragstext im offiziellen Antragsbuch zum 59. Bundeskongress vom 11. bis 13. Oktober in Oldenburg.