Antrag zum 59. Bundeskongress

Antrag 505

59. Bundeskongress vom 11. bis 13. Oktober in Oldenburg

Antragsteller: BAK Europa und Internationales


Status: [  ] angenommen [  ] nicht angenommen [  ] verwiesen an: ___________________________

Der 59. Bundeskongress möge beschließen:

1haTikvah – für eine friedliche Zukunft im Heiligen Land

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5I. Einleitung

6Aus historischer Verantwortung wie auch aus tiefster liberaler Grundüberzeugung fühlen wir

7Junge Liberale uns Israel verpflichtet. Israel ist der einzige stabile freiheitlich-demokratische
8Staat im Nahen Osten und damit unser natürlicher Partner, Verbündeter und Freund. Die
9Offenheit und Vielfalt der israelischen Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlichen
10Glaubens, Geschlechts und Sexualität gleichberechtigt und in Frieden koexistieren, steht im
11scharfen Kontrast zu den Problemen und Schwierigkeiten in weiten Teilen des Nahen Ostens.
12Israel kann somit als Leitbild für die ganze Region fungieren und die Stärke der offenen
13Gesellschaft demonstrieren. Daraus folgt, dass die Sicherheit Israels zurecht deutsche
14Staatsräson ist. Unser Ziel ist deshalb die Stärkung der deutsch-israelischen Freundschaft,
15sowohl auf zivilgesellschaftlicher wie auch auf politischer Ebene.

16II. Außenpolitische Ansätze

171. Zielsetzung des Antrags

18Seit der Staatsgründung Israels überschattet der israelisch-palästinensische Konflikt das Leben

19beider Völker und obwohl er schon 70 Jahre alt ist, liegt eine Lösung noch in weiter Ferne. Wir
20Julis maßen uns nicht an, die perfekte Lösung präsentieren zu können. Insbesondere empfinden
21wir es als vermessen, als nicht unmittelbar Betroffene, den Konfliktbeteiligten eine Lösung zu
22diktieren. Der israelisch-palästinensische Konflikt kann nur durch ergebnisoffene bilaterale
23Verhandlungen - ggf. unter dem Dach der Vereinten Nationen - gelöst werden. Wir sehen unsere
24Rolle darin, die Zivilgesellschaft zu stärken, in unserem außenpolitischen Handeln die Rechte
25beider Völker angemessen zu berücksichtigen und klare Position zu beziehen, wenn unsere
26Grundwerte betroffen sind. Dabei darf kein Zweifel aufkommen, dass für uns im Zweifel stets die
27Sicherheit Israels an erster Stelle steht.

282. Förderung der Konfliktlösung durch Wirtschaftsförderung

29Der Handel zwischen zwei Ländern oder Regionen stellt einen zentralen Bestandteil für die

30soziokulturelle und gesamtgesellschaftliche Zusammenarbeit da. Nicht zuletzt das Projekt der
31Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion hat gezeigt, dass eine Öffnung der Grenzen und
32das Abschaffen von Handelshemmnissen die Voraussetzung für ein friedliches Mit- und
33Nebeneinander und eine prosperierende Wirtschaft sind.

34Auch für Israel, das Westjordanland und den Gazastreifen sehen wir im Bereich von Handel und

35Wirtschaft eine Möglichkeit, sich auf kurz oder lang anzunähern. Vor allem wirtschaftliche
36Kooperation hinsichtlich eines Transfers von Fach- und anderen Arbeitskräften sowie der
37Austausch von technischem Know-how können Motor für voranschreitende
38Friedensverhandlungen sein. Dafür ist aber nicht nur die Angleichung beider Volkswirtschaften
39maßgeblich, sondern vor allem die perspektivische Arbeit mit lokalen Problemen wie dem
40Wassernotstand und den sozialen Problemen.

41Als Junge Liberale fordern wir deshalb folgende Lösungsansätze, um die Wirtschaft in Israel, im

42Westjordanland und im Gazastreifen auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen und die
43gesellschaftlichen und interkulturellen Hindernisse zu überwinden:

44Erstens muss ein bilaterales Gremium eingeführt werden, was sich als übergeordnete Instanz

45um eine Verständigung beider Volkswirtschaften kümmert. Dabei kann vor allem die Expertise
46anderer großer Volkswirtschaften hinzugezogen werden, um ein gemeinsames Konzept für die
47Region auszuarbeiten. Die sozioökonomischen Strukturen scheinen auf beiden Seiten

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54erheblichen Nachholbedarf zu haben. Nur bei einer zwischen- und innerstaatlichen Annäherung

55kann von einem wirksamen und andauernden Friedensprozess ausgegangen werden.
56Besonders sollte darauf hingewirkt werden, dass Westjordanland und den Gazastreifen von
57internationaler Finanzhilfe unabhängig zu machen und so stabile und prosperierende
58Volkswirtschaften zu schaffen.

59Zweitens ist in Frage zu stellen, inwieweit das aktuelle Import- und Exportgeschäft den

60Grundprinzipien einer sozialen und freien Marktwirtschaft folgt. Als Junge Liberale sollten wir vor
61allem hier für eine gesunde und zukunftsorientierte Marktwirtschaft auf beiden Seiten kämpfen,
62um den Wohlstand der Bevölkerung und die Stabilität der Gesellschaft und Region auch
63langfristig zu gewährleisten. Dafür muss zunächst sichergestellt werden, dass es weder beim
64Import noch beim Export Handelsbeschränkungen der einen für die andere Seite gibt, die nicht
65der Wahrung der Sicherheitslage dienen. Nur eine liberale Handelspolitik gegenüber dem Rest
66der Welt ermöglicht eine aufstrebende und stabile Wirtschaftspolitik. Die Liberalisierung bisher
67eingeschränkter Handelswege und eine Zollautonomie der Palästinensischen Autonomiebehörde
68bei gleichzeitiger Beibehaltung des zollfreien Handels zwischen Israel und den Palästinensischen
69Autonomiegebieten (unter der die Sicherheitslage betreffenden zumutbaren Umstände) wäre
70also der erste Schritt für eine selbstständige palästinensische Wirtschaft.

71Drittens gilt es den Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen Israel, dem Westjordanland

72und dem Gazastreifen zu stärken. Möglich ist dies vor allem durch grenzübergreifende Think
73Tanks und die dazugehörigen Kooperationen von Start-Ups und Ideenschmieden. Nicht zuletzt
74die intensive Kooperation zwischen Universitäten auf beiden Seiten kann eine solche
75Entwicklung fördern und nachhaltig sicherstellen. Denn nur mit ausreichend Innovation und
76eigenen Ideen für Kultur, Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft kann der Konflikt von Innen
77herausgelöst werden.

78Viertens muss die gesamte Region bzw. jene Staaten, die zu einer Zusammenarbeit mit Israel

79bereit sind, in diese Strategie mit einbezogen werden, allen voran Ägypten und Jordanien. Dies
80erweitert die wirtschaftlichen Perspektiven aller beteiligten Länder und stärkt den Frieden in der
81gesamten Region nachhaltig.

823. Jugendpolitik

83Wir müssen uns an die Jugend in Israel und den palästinensischen Gebieten richten und massiv

84in Bildung, Kooperation und Austausch investieren. Ziel ist es eine mutige und liberale
85Generation zu schaffen, die in einigen Jahren in der Lage sein wird, eine für beide Seiten
86akzeptable Lösung zu finden. Dafür muss die Bildungspolitik darauf ausgerichtet werden Brücken
87zu bauen und Vorurteile abzubauen. Viele Schulbücher in den Palästinensischen
88Autonomiegebieten dämonisieren Israel und Juden. Angesichts der finanziellen Abhängigkeit der
89Palästinensischen Autonomiebehörde von Finanzhilfen gilt es hier Druck auszuüben und
90gleichzeitig Projekte, die Toleranz und Verständigung in den Vordergrund stellen, zu fördern.

914. Maßnahmen gegen Korruption in den palästinensischen Autonomiegebieten

92Bei den internationalen Finanzhilfen für die palästinensische Autonomiebehörde ist

93sicherzustellen, dass diese nicht in Kanälen der Korruption versinken oder zur Finanzierung von
94Terror eingesetzt werden. Insbesondere die sog. Märtyrerrenten, die im Jahr 2016 laut Angaben
95der Weltbank eine Höhe von ca. 300 Millionen Euro erreichten, müssen von Seiten der
96Palästinensischen Autonomiebehörde unverzüglich abgeschafft werden. Andernfalls sollten die
97EU-Staaten und die Vereinten Nationen ihre Hilfszahlungen einfrieren. Ferner sollten Projekte
98unterstützt werden, die Antikorruption fördern und Transparenz bestärken. Ein erster Schritt wäre
99dabei, das bisherige Ausmaß der Korruption zu bestimmen und offen zu legen.

1005. Siedlungspolitik

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107Eine einseitige Anerkennung der israelischen Siedlungen im Westjordanland als Teil des

108israelischen Staatsgebietes halten wir nicht für zielführend. Der Bau von israelischen Siedlungen
109im Westjordanland ist ein entscheidender Punkt, der in Friedensverhandlungen zwischen Israel
110und den Palästinensern geklärt werden muss. Während der Bau der Siedlungen von israelischer
111Seite als notwendig für den Schutz der eigenen Grenze begründet wird, sieht die
112palästinensische Seite diese als Hindernis für die territoriale Integrität eines künftigen eigenen
113Staates. Ebenso wie der Siedlungsbau, muss auch der Grenzverlauf Israels zu einem
114potentiellen palästinensischen Staat im Rahmen von Friedensverhandlungen geklärt werden. Die
115Bewohner derjenigen Siedlungen, die sich gemäß dieses Grenzverlaufs auf palästinensischem
116Gebiet befänden, hätten anschließend die Wahl als gleichberechtigte Bürger in Palästina zu
117leben, oder nach Israel zurückzukehren. Eine Enteignung palästinensischer Grundbesitzer
118zugunsten israelischer Siedler durch die israelische Regierung ist dagegen völlig inakzeptabel.
119Einen ethnisch begründeten Bevölkerungsaustausch lehnen wir entschieden ab, ebenso die
120Übertragung israelischen Rechts auf Siedler im Westjordanland bei gleichzeitiger Beibehaltung
121des Militärrechts für Palästinenser.

1226. EU-Richtlinie

123Wir wollen die EU-Richtlinie zur besonderen Kennzeichnung israelischer Produkte aus

124palästinensischen Gebieten abschaffen. Nach dieser Richtlinie soll nicht nur gekennzeichnet
125werden, wo das Produkt hergestellt wurde, sondern auch, ob es von Israelis oder Palästinensern
126hergestellt wurde. Eine solche besondere Kennzeichnung israelischer Produkte aus
127palästinensischen Gebieten führt zu einer Stigmatisierung und darüber hinaus auch zu
128wirtschaftlichen Einbußen - sowohl für Israelis als auch für Palästinenser. Die EU- Richtlinie in
129ihrer aktuellen Form schadet somit der wirtschaftlichen Entwicklung in der gesamten Region und
130hemmt die Zusammenarbeit über ethnische Grenzen hinweg.

1317. Palästinensische Flüchtlinge

132Deutschland und die EU müssen die arabischen Staaten dazu drängen, die Rechtsstellung

133Palästinensischer Flüchtlinge zu verbessern. Ihnen muss die Möglichkeit gegeben werden, sich
134in die Gesellschaften ihrer jeweiligen Staaten zu integrieren und gleichberechtigte Staatsbürger
135zu werden. Die UNRWA ist dagegen aufzulösen und die Zuständigkeit für palästinensische
136Geflüchtete auf das UNHCR zu übertragen. Dabei ist schrittweise vorzugehen. In einem ersten
137Schritt ist dabei der vererbbare Flüchtlingsstatus abzuschaffen und ein strenges Monitoring der
138Projekte und Finanzströme der UNRWA einzuführen, wie dies bereits bei anderen UN-Organen
139geschieht, um einen Missbrauch der Mittel zu unterbinden. Abschließend soll die Zuständigkeit
140für die palästinensischen Flüchtlinge schrittweise auf das UNHCR übertragen werden.
141Deutschland und die Europäische Union sollen hierzu etappenweise für das UNRWA eingeplante
142Mittel an das UNHCR überführen.

143Immer wieder stechen Vertreter des UNRWA mit antisemitischen Äußerungen hervor. Diese

144verurteilen wir aufs Schärfste und fordern die UNRWA auf, antisemitische Personen konsequent
145ausschließen sowie die Zusammenarbeit mit derartigen Organisationen einzustellen.

1468. Vereinte Nationen

147Deutschland muss sich im Rahmen der Vereinten Nationen und insbesondere in seiner Rolle als

148Nichtständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats, verstärkt gegen antiisraelische Resolutionen
149einsetzten. So verurteilte z.B. der UN-Menschenrechtsrat Israel zwischen 2006 und 2016 61 Mal,
150während auf alle anderen Länder zusammen nur 54 Verurteilungen fielen und Länder wie China,
151Russland oder Saudi-Arabien kein einziges Mal verurteilt wurden. Die Rolle der Vereinten
152Nationen als Vermittlungsinstanz zwischen Israel und Palästinensern sehen wir durch diese
153einseitige Verurteilung Israels im Menschenrechtsrat sowie weiteren Gremien gefährdet.
154Gleichzeitig ist zu beachten, dass die Resolutionen von Gremien wie dem

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161Menschenrechtsrat die Positionen der Mitgliedsländer wiederspiegeln. Durch die Mitgliedschaft

162oder gar den Vorsitz solcher Staaten, die wiederholt selbst Menschenrechtsverletzungen
163begehen, verliert der Menschenrechtsrat seine Glaubwürdigkeit und Neutralität. Deutschland und
164die Europäischen Union müssen sich deshalb für institutionelle Reformen einsetzen. So soll die
165Wahl in den UN-Menschenrechtsrat künftig eine qualifizierte Mehrheit von zwei Dritteln der
166UN-Mitglieder erfordern.

167III. Innenpolitische Ansätze1. Liberale und der Nahostkonflikt

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173Wir Junge Liberale fordern den Bundesvorstand der Julis auf, sich um eine Kooperation mit

174liberalen Parteien in Israels wie Yesh Atid und Ha-Tnu'a zu bemühen. Dabei sollen sich
175dieJungen Liberalen vor allem auf eine Zusammenarbeit mit der Jugendorganisation dieser
176Parteien fokussieren. Als Kooperationsmöglichkeiten bieten sich zum Beispiel gemeinsam
177organisierte Austauschreisen mit Seminaren an. Denkbar wäre auch die stärkere Vernetzung mit
178der Jugendorganisation vor Ort über soziale Netzwerke. Möglich sind zum Beispiel Skype-
179Konferenzen, die vom Bundesarbeitskreis für Europa & Internationales organisiert werden. Hier
180bietet es sich an mit dem Deutsch-Israelischen Jugendwerk zusammenzuarbeiten. Zusätzlich
181sollten die Jungen Liberalen Möglichkeiten prüfen über den Dachverband IFLRY mit der
182Jugendorganisation von Yesh Atid zusammenzuarbeiten und auch einen Beitritt anregen.
183Gleichzeitig soll eine Kooperation mit der für liberale Demokratie und freie Marktwirtschaft
184eintretenden Organisation Israel Young Conservatives angestrebt werden.

185Genauso fordern wir die FDP auf eine stärkere Zusammenarbeit mit liberalen Parteien wie Yesh

186Atid und Ha-Tnu'a zu etablieren. Die Freien Demokraten könnten durch eine anderePerspektive
187auf den Nahostkonflikt bei der Ausarbeitung und Durchführung einer Lösung beratend zur Seite
188stehen. Auch in Parlamenten sollten wir eine konstruktive Stimme sein, die diesen Konflikt
189wirklich lösen will, anstatt durch ideologische Denkmuster diesen anzufeuern. Auch wenn die
190FDP momentan nicht an der Regierung beteiligt ist, so lassen sich im Bundestag zum Beispiel
191durch Anfragen oder Anträge zu dem Thema Missstände aufzeigen und eigene
192Lösungsmöglichkeiten vorstellen. Wir fordern eine Anfrage an die Bundesregierung durch die
193Fraktion der Freien Demokraten zur Verwendung von deutschem Steuergeld durch die
194Palästinensischen Autonomiebehörde.

195Des Weiteren muss auch die Kooperation der Zivilgesellschaften verstärkt werden. Denkbar

196wäre, dass die Städte, in denen es eine FDP-Vertretung im Stadtrat gibt, anregen eine
197Städtepartnerschaft mit Städten in Israel einzugehen. Dies soll für eine breitere Akzeptanz in der
198Bevölkerung sorgen. Auch die Zusammenarbeit mit Organisationen in Deutschland undIsrael,
199soll verstärkt werden. In Israel wären das z.B. "Stand With Us" und "The Israel Project",in
200Deutschland die Deutsch-Israelische Gesellschaft.

2012. Maßnahmen gegen Antisemitismus und Antizionismus

202Wir Jungliberalen stellen uns ganz klar gegen jeden Antisemitismus und dazu gehört heute auch

203seine moderne Ausprägung als Antizionismus welcher sich immer häufiger alssogenannte
204"Israelkritik" tarnt. Der Kampf gegen Antisemitismus darf kein Lippenbekenntnis bleiben, deshalb
205fordern wir konkrete Schritte und Taten damit Antisemitismus keinen Platz in unserer
206Gesellschaft hat. Deshalb fordern wir:

2071. Kein Boykott von Israel: Die antisemitische BDS-Bewegung (Boycott, Divestment, Sanctions)

208fordert seit geraumer Zeit den Staat Israel international zu isolieren und ruft in vielen Ländern
209und immer stärker auch bei uns in Deutschland zu Boykottmaßnahmen auf. Der BDS fordert
210nicht nur den Boykott von Waren und Dienstleistungen, sondern beispielsweise auch den von
211Musikern, Wissenschaftlern, Sportlern und Zivilisten. Hier zeigt die Kampagne ihr wahres Gesicht
212und macht Israelzum "Juden unter den Staaten". Wer heute unter der Fahne der BDS-Bewegung
213zum

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223Boykott israelischer Waren, Dienstleistungen, Wissenschaft und Kultur aufruft, der spricht in der

224gleichen Sprache, in der man einst die Menschen dazu aufgerufen hat, nicht bei Juden zu
225kaufen. Dies ist nichts anderes als tiefster Antisemitismus, wie ihnschon die Nationalsozialisten
226als "Judenboykott" instrumentalisiert haben. Mit BDSkommt der Antisemitismus als
227Antizionismus daher, doch auch in neuen Kleidern des 21. Jahrhunderts bleibt Judenhass. Daher
228müssen alle notwendigen Anstrengungen darauf gerichtet werden, dieser Form des
229Antisemitismus und der aggressiven Feindlichkeit gegenüber Israel entschieden entgegen zu
230treten. Deshalb missbilligen die Jungen Liberalen die BDS-Kampagne und ihre Aktivitäten und
231verurteilt diese als zutiefst antisemitisch. Wie bereits in den Städten Frankfurt, München und
232Berlin geschehen, muss diese antisemitische Kampagne verurteilt, aus städtischen Räumen
233verbannt und etwaige finanzielle Unterstützung für BDS und Partnerorganisationen eingestellt
234werden. Wir fordern auch die FDP auf, die BDS-Kampagne als antisemitisch einzustufen und zu
235prüfen inwieweit eine Überwachung durch den Verfassungsschutz erforderlich ist.

  1. 1.
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    237Einstehen gegen jeden Antisemitismus: Wir beobachten mit Bedauern die Anhäufung

    238antisemitischer Vorfälle in Deutschland, erinnern aber daran, dass Antisemitismus kein
    239neues Phänomen ist. Die Synthese von verschiedenen Antisemitismen ergibt eine
    240gefährliche Gemengelage. Neben dem Antisemitismus aus rechten Milieus nehmen auch
    241die Ressentiments in der gesellschaftlichen Mitte zu. Dazu kommt, dass durch
    242Zuwanderung von Menschen, die aufgrund der antiisraelischen Staatsräson ihrer
    243Herkunftsländer antisemitische Einstellungen vertreten, die Verbreitung solchen
    244Gedankenguts auch in Deutschland zunimmt. Deshalb rufen wir Islamverbände und
    245Moscheen dazu auf viel stärker gegen Antisemitismus insbesondere bei Jugendlichen
    246vorzugehen. Dazu wollen wir

    247unterstützen und mit ihnen in den Dialog treten. Dagegen sind wir der Überzeugung, dass

    248Imame, die Judenhass predigen, Moscheen, die das zulassen und Verbände, die das
    249heimlich akzeptieren, hier weder willkommen noch geduldet sind. Bei Zugewanderten
    250plädieren wir für eine Null-Toleranz-Grenze bei antisemitischen Straftaten und fordern die
    251konsequente Anwendung des Aufenthaltsgesetzes, das vielfach eine Abschiebung
    252ermöglicht. Darüber hinaus vertreten wir die Rechtsauffassung, dass das Verbrennen
    253israelischer Flaggen vom Straftatbestand der Volksverhetzung gemäß § 130 Abs. 1 StGB
    254erfasst ist.

  2. 2.
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    256Wir wollen Zusammentreffen von Geflüchteten und Juden fördern, um Vorurteile

    257abzubauen und Verständnis aufzubauen. Solche Treffen sollten fester Bestandteil von
    258Integrationskursen werden.

2593. Bildungspolitische Maßnahmen

260Eine der wichtigsten Institutionen zur Bekämpfung von antisemitischen und antizionistischen

261Vorurteilen ist die Schule. Sie ist häufig der erste Ort, an dem junge Menschen mit der Shoah in
262Kontakt kommen. Die Aufbereitung des Unterrichtes ist hier von besonderer Bedeutung. Es muss
263sichergestellt werden, dass die Behandlung mit der Shoah nicht ausschließlich über Schulbücher
264und Texte erfolgt. Wir sollten jede Gelegenheit nutzen, Zeitzeugen in die Schulen einzuladen, um
265ihre Erfahrungen zu schildern und Fragen der Schüler zu beantworten. Es ist leider
266unausweichlich, dass bereits in wenigen Jahren keine Zeitzeugen mehr am Leben sein werden.
267In den Curricula sollten so viele praktische und anschauliche Elemente wie möglich eingebaut
268werden. Es ist löblich, dass viele Schule bereits Partnerschulen in Israel haben und auch
269Besuche von Konzentrationslagern oder anderen Gedenkstätten der Schoah sind in Deutschland
270vielerorts bereits an der Tagesordnung. Es ist wichtig, dass nicht nur ein Bewusstsein für die
271Schoah an sich, sondern auch für die daraus erwachsende Verantwortung vermittelt wird. Die
272Schoah ist ewige Verpflichtung Deutschlands, als Land der Täter. Daraus erwächst ein hoher
273Anspruch an den Unterricht, der sich mit dem Nahostkonflikt beschäftigt. Dieser gehört zu einem
274reflektierten Geschichtsbewusstsein. Eine entsprechende Verankerung der Inhalte in den
275Kerncurricula für Geschichte und mit aktuellem Bezug auch im Fach Sozialwissenschaften oder
276Politik-Wirtschaft ist entscheidend. In den Politikunterricht

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283liberale Muslime und Islamverbände viel stärker

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293gehören auch die ganz aktuellen Herausforderungen mit Antizionismus und Antisemitismus. Eine

294sachliche Debatte, in der Schüler auch ernst genommen werden, ist hier erforderlich.
295Verschiedene Argumentationslinien, vom rechten bis zum linken Antisemitismus müssen, gerade
296in den höheren Jahrgangsstufen dargestellt und entkräftet werden. Es ist auch im Fach
297Geschichte entscheidend die Schoah in den historischen Kontext einzugliedern. Die Schoah kam
298nicht aus dem Nichts. Ihr ging eine lange Geschichte antisemitischer und antijudaistischer
299Ereignisse, Organisationen und Personen voraus, die bereits mit der Ansiedlung der ersten
300jüdischen Gemeinden zu Beginn des zweiten Jahrtausends nach Christus beginnt. Auch
301dieLektüre von Ausschnitten aus "Mein Kampf" kann notwendig sein um die Grundlage der
302Schoah zu verstehen und deutlich zu machen, dass die Politik der Nationalsozialisten eine
303ideologische Grundlage hatte. Für das Verständnis der Diaspora, der Vorurteile gegenüber
304Juden in den letzten 1000 Jahren und letztendlich auch der Shoah ist neben Inhalten in allen
305Jahrgängen auch ein Verständnis der jüdischen Religion bedeutend. Häufig verlassen Schüler
306die Schule mit Kenntnissen und Verständnis der Schoah, ohne jedoch das Judentum verstanden
307zu haben. Das Judentum muss daher verstärkt in die Kerncurricula der konfessionellen Fächer
308und des Faches Ethik oder Werte und Normen eingebunden werden. Wir wünschen uns dabei
309explizit auch Kooperationen mit jüdischen Gemeinden und versprechen uns so auch einen
310verstärkten Austausch zwischen Juden und Anders- bzw. Nichtgläubigen.

311Begründung: erfolgt mündlich

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Achtung: Die Darstellung des gezeigten Antrags erfolgt als reine Vorschau. Verbindlich ist der Antragstext im offiziellen Antragsbuch zum 59. Bundeskongress vom 11. bis 13. Oktober in Oldenburg.